Fischsterben durch Milch

Was geschieht gerade wo, wie und warum?

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Willy
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Re: Fischsterben durch Milch

Beitrag von Willy » 23 Sep 2009 08:23

Ich hab für diese Aktionen nicht das geringste Verständnis.....

Ein hoch subventionierter Betrieb wie nun mal unstreitig alle Milchviehbetriebe in der EU sind vernichtet mit seinen Lebensmittel Milch, dass er auf Äcker und Wiesen ausbringt ohne nachzudenken und damit PR schieben möchte , andere Lebensmittel wie hier Fisch und ein Biotop, die Strafe kann da nicht hoch genug ausfallen......

vg
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lelox
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Re: Fischsterben durch Milch

Beitrag von lelox » 23 Sep 2009 13:39


Rico
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Re: Fischsterben durch Milch

Beitrag von Rico » 23 Sep 2009 13:59

Hey!
Habe gestern schon was zu diesem thema geschrieben. Woher wollt ihr wissen das alle betriebe in der EU subventioniert werden?? Das ist totaler quatsch!!!!! Wo steht das? Zwischen ost und west gibt es auch einen himmelweiten unterschied.
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Re: Fischsterben durch Milch

Beitrag von mzg » 23 Sep 2009 16:30

Rico, mit Verlaub, was du bzgl. der Ausgleichszahlungen (nicht Subventionen) erzählst, ist Schmarrn.
Die Betriebe in Neufünfland erhalten genauso ihre Flächen-Ausgleichszahlungen wie überall. Bei den Investitionszuschüssen haben sie durch die Betriebsgrößen sogar Vorteile.
Welcher Betrieb wie viel erhält, kannst du hier nachlesen:
http://www.agrar-fischerei-zahlungen.de/Suche

Die Ausgleichszahlungen erhalten die europäischen Betriebe, weil sie in der EU mit erheblichen Auflagen produzieren müssen, während gleichzeitig Waren von Produktionsstandorten ohne Auflagen frei in die EU eingeführt werden dürfen.
Es gibt nur zwei Alternativen, wenn unsere Landwirtschaft die Auflagen in der EU erfüllen soll:
Entweder brauchen wir einen Außenschutz durch Zölle für Waren, die ohne diese Auflagen produziert werden, oder wir brauchen Ausgleichszahlungen für die Betriebe.
Weil die erste Variante im Welthandel nicht umsetzbar ist (wenn wir eure Autos kaufen sollen, dann müsst ihr unsere Produkte kaufen), bleiben nur die Ausgleichszahlungen.
Ein Landwirtschaftsbetrieb in Mitteleuropa wird nie zu den Kosten eines Betriebes in Neuseeland oder Brasilien produzieren können.

Zur Milch:
Das die Bauern in der EU zu viel Milch produzieren würden, darüber lässt sich trefflich streiten.
Der EU-Markt steht dem Weltmarkt offen.
Die weltweit produzierte Milchmenge wächst jährlich etwa um die Menge, die in ganz Deutschland produziert wird. An sich kein Problem, weil bis zur Wirtschaftskrise auch die Nachfrage entsprechend gewachsen ist.

Eine Mengensteuerung wäre nur Erfolg versprechend, wenn sie mit einem Außenschutz kombiniert würde.
Durch das kurzzeitige Preishoch letztes Jahr nach den Milchstreiks hat die EU weltweit wichtige Marktanteile verloren, z.B. in Osteuropa und bei den großen Verarbeitern, die jetzt. z.B. Pflanzenfett statt Milchfett ins Essen (z.B. Speiseeis) mischen.
Gäbe es den Außenschutz, wären wohl mehr Bauern von einer Mengensteuerung zu überzeugen.
Derzeit sind die Milchbauern in der EU in zwei Lager gespalten, die einen wollen eine Mengensteuerung (European Milk Board), die anderen halten diese für illusorisch und wollen den geringeren Preis durch mehr Milch kompensieren (Komamelker, Bauernverband).

Mit der EU-Kommissarin Fischer-Boel war in Sachen Mengensteuerung kein Blumentopf zu gewinnen. Die hat völlig einseitig die dänische Linie vertreten, welche auf Massenproduktion und Export ausgerichtet ist.
Jetzt hat sie zum perfekten Zeitpunkt ihren Rückzug angekündigt. Bis der neue EU-Kommissar bestimmt und ins Amt eingeführt ist, kann der angeschobene Ausstieg aus der Milchquote nicht mehr aufgehalten werden. Danach ist es zu spät. Eine Mengensteuerung von EU-Seite wird es also de facto nicht mehr geben.

Bliebe den Bauern eine Mengensteuerung über die Verarbeiter (Molkereien).
Leider haben die Europäischen Molkereien am Markt nichts zu melden, da viel zu klein.
Die Masse der Einzelhandelsmenge liegt in der Hand von einigen wenigen Einzelhandelskonzernen (Aldi, Lidl und Co.), die den Molkereien die Einkaufspreise ganz einfach diktieren. Da gibt es keine Verhandlungen mehr. Der Preis wird einfach bestimmt.
Dazu kommt, dass die Verarbeitung von Milchseparationsprodukten (Milchpulver, Milchfett, Milcheiweiß), der zweite Große Posten, von nur noch 5 oder 6 weltweit agierenden Konzernen (Nestle etc.) bestimmt wird.
Die produzieren Nahrungsmittel wie Schweinefutter: Die nötigen Inhaltsstoffe werden aus den jeweils billigsten Quellen zusammengerührt und dann wird mit Farbe und Aromen für die nötige Optik und den Geschmack gesorgt.
Wenn Milcheiweiß teurer ist als Soja, dann kommt eben Soja rein. usw.

Lachhaft, wenn das Bundeskartellamt dem BDM verbietet, zu einem Milchstreik aufzurufen, oder?
Wenn Sie die Einzelhandelskonzerne oder die Lebensmittelherstellerkonzerne zerschlagen würden, dann würden sie was erreichen. Aber die lachen nur noch über das Kartellrecht und setzten es gegen die Bauern ein.
Die Gewinne nutzen die Konzerne, um weltweit Millionen ha Agrarland aufzukaufen. Warum wohl?

Die aktuelle Entwicklung (Schweinefutter via Aldi) hat für die Verbraucher noch den Vorteil, dass das Essen billig zu haben ist.
Wo die Reise hingeht, dürfte dabei völlig klar sein: Die Konzentration geht so lange weiter, bis der Wettbewerb völlig ausgehebelt ist. Dann kommt die Preisschraube.
Großbritannien z.B. hat die Milchmarktkrise schon ein paar Jahre länger im Griff. Die haben bei Milch nur noch einen Selbstversorgungsgrad von 40%.
In 10, 20 Jahren voraussichtlich nur noch 15 bis 20 %.
Ihr könnt euch ausmahlen, wer damit irgendwann den großen Reibach macht?
Die Bauern werden es nicht sein.

Die Landwirtschaft muss sich selbstverständlich modernisieren.
Es darf aber nicht nur der Preis des eingefärbten Schweinefutters an der Aldi-Theke zählen.
Langfristige Versorgungssicherheit, die Macht der Bevölkerung über die Lebensmittel- und Wasserversorgung, der Umweltschutz (was landet auf den Äckern, Bodenverluste etc.) die Landschaftspflege (keine Sau will in einem 100.000 ha großen Sojafeld Urlaub machen oder gar dauerhaft wohnen), dass sind Werte, die wirklich zählen.
Das gibt es nicht umsonst. Das wird immer ein paar Prozent teurer sein, als die billigste Importware.
Wenn es uns das nicht wert ist: Gute Nacht.

Kein Bauer hat Freude daran, die Milch wegzuschütten. Das ist eine Verzweiflungstat. Wenn Milch billiger ist als in Plastikflaschen abgefülltes Leitungswasser, dann kann irgendwas nicht stimmen.

Rico
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Re: Fischsterben durch Milch

Beitrag von Rico » 24 Sep 2009 08:06

Ich rede nicht von anderen ländern sondern wie das bei uns läuft! Und das ist überhaupt kein schmarrn. Mein Onkel ist Tierarzt und betreut viele betriebe hier in der gegeng und meine Eltern führen einen solchen Betieb ich sitze also an der quelle! Mag ja sein das leute die dafon keine ahnung haben glauben was im metz steht. Jetzt zur subvention! Bei uns z.b bekommen die Milchbauern nur subventionen vom start wenn die Kühe vom Frühjar bis herbst auf die weide gelassen werden und nicht im stall sind! Das sind so5-6 monate. Und dafür gibt es ca 20,000euro. Hört sich gut an ist es aber nicht! Es gibt da nämlich ein paar nachteile. Da die Kühe nämlich das gewohnte Kraftfutter nur noch ein mal am tag bekommen und sonst nur gras geht die milchleistung zurück. Bei einem betrieb mit 350 Kühen ist das erheblich. Kleine Rechnung! Durch weniger kraftfutter gibt jede Kuh weniger milch so ca 1-5 Lieter je nach leistung der Kuh. Jede kuh wird zwei mal gemolken am tag das ergibt im schnitt sagen wir mal 4liter pro kuh. Bei 350 Kühen sind das ca 1400 lieter weniger (pro Tag). Bei einem preis von 0.21euro pro liter sind das 294euro am tag weniger. Das mal dreißig tage sind ca 8800euro pro monat!!!! Mann muß nicht mehr viel rechnen ob sich das für einen Betrieb lohnt die subvention in anspruch zu nehmen wenn die kühe 5-6 monatte auf die weide sollen. Und dann regen sich die leute auf subvention hier subvention da das ist schmarrn! Garnichts haben die Bauern davon. Und eine Überproduktion wird hier bei uns schon garnicht subventioniert von was auch! So sieht das bei uns in der gegend aus! P.s ich spreche hier von m-v. Wie es in anderen Bundesländern aussieht weiß ich nicht.
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Re: Fischsterben durch Milch

Beitrag von mzg » 24 Sep 2009 08:55

Schick mir mal die Adresse des Betriebes per PM.
Selbst wenn der Betrieb nur 200 ha Grünland bewirtschaften würde und dafür Stand 2005 20.000 Euro Grünland-Ausgleichszahlungen (ohne sonstige Ausgleichszahlungen) bekommen hätte, werden das 2013 durch die Umstellung auf die Einheitsprämie (Ackerland und Grünland werden zu einer einheitlichen Flächenprämie zusammengeführt) 68.000 Euro sein.
Kann mir aber kaum vorstellen, dass ein 350 Kuh Betrieb auf nur 200 ha Grünland ohne Ackerbau wirtschaftet.

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Re: Fischsterben durch Milch

Beitrag von Rico » 24 Sep 2009 11:42

Doch doch acker bestellen die auch es geht aber um die reine milchproduktion. Hatte mich gerade vor paar wochen mit meinen eltern darüber unterhalten.
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Re: Fischsterben durch Milch

Beitrag von Rico » 24 Sep 2009 11:53

Weiß nicht wie das geht mit PM. Außerdem rede ich von jetzt und vom letzten jahr und nicht 2013.
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Re: Fischsterben durch Milch

Beitrag von mzg » 24 Sep 2009 11:55

Milcherzeugung und Fläche kann man nicht trennen.
Die Ausgleichszahlungen erfolgen ja für die bewirtschaftete Fläche.
Auch die paar Cent Milchprämie, die 2004 mal eingeführt wurden, sind mit der Agrarreform auf die einzelbetriebliche Flächenprämie umgelegt worden und werden bis 2013 schrittweise auf die einheitliche Flächenprämie umgelegt.
Das ist in den anderen Bundesländern auch nicht anders.

Kann schon sein, dass es in MP ein zusätzliches Förderprogramm für Weidegang beim Milchvieh gibt. Das wäre aber ein Extra und hat mit den angesprochenen Ausgleichszahlungen nichts zu tun.

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Re: Fischsterben durch Milch

Beitrag von mzg » 24 Sep 2009 13:40

Rico hat geschrieben:Weiß nicht wie das geht mit PM. Außerdem rede ich von jetzt und vom letzten jahr und nicht 2013.
Für eine PM (persönliche Mitteilung) = PN (persönliche Nachricht) musst du nur unter einem von meinen Beiträgen auf den Knopf PN drücken. Dann kannst du mir eine Nachricht senden, die sonst keiner lesen kann.
Die Bezeichnungen PM und PN werden hier im Forum beide verwendet. Ist etwas missverständlich. (Ganz oben in der Mitte ist ein Knopf PM. Denn musst du drücken, um die Nachrichten anzusehen, die du erhalten hast.)

Welches Jahr man nimmt ist im Moment etwas konfus, wegen der Reform der Ausgleichszahlungen.
Bis 2005 gab es je nach angebauter Kultur verschieden viel pro ha, dazu kamen noch diverse andere Töpfe, wie z.B. die schon angesprochene Milchprämie, Mutterkuhprämien, Schlachtprämien etc. etc.
Bis 2013 wird aus diesem ganzen Bürokraten-Chaos eine einheitliche Prämie pro ha, egal was angebaut wird.
Da die Umstellung schrittweise erfolgt, sind die Prämien derzeit zwischen unterschiedlichen Betrieben schwer zu vergleichen und für Außenstehende kaum nachvollziebar und sie ändern sich jedes Jahr.
Mit den Zahlen vorher (2005) und nachher (2013) kann man deshalb leichter vergleichen.

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Streik ja, kontraproduktive und dumme Aktionen nein

Beitrag von Seeadler » 24 Sep 2009 19:58

Also, der Streik der Bauern hat meine volle Unterstützung. Meine Heimat is das Allgäu, auch wenn ich mittlerweile in Berlin lebe. Und ich weiß das da massenhaft Höfe vor der Pleite stehen.

Auf die Straße gehn und Schilder hochhalten bewirkt leider in unserm Land nicht viel. Ein Streik muss es schon mindestens sein.

Nur: der muss sich natürlich gegen die verantwortlichen aus Politik und Wirtschaft richten. Ich würde sagen beinahe alle Aktionen der Bauern tun dies.

Einen Klosterteich mit Milch zuschütten und dabei ein Fischsterben anzurichten ist natürlich das Allerletzte. Bestimmt erfährt dieser Bauer auch keine Solidarität von anderen Streikenden. Denn eine solche Taktik ist nicht nur verantwortungslos gegenüber Unbeteiligten und der Natur sondern natürlich auch kontraproduktiv für den Streik. Mit einem Wort: dumm und gemein.

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PIWI
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Re: Fischsterben durch Milch

Beitrag von PIWI » 25 Sep 2009 14:12

Joa da ist wohl nachdenken angesagt !

Erst denken dann handeln wird jedem schon in der Schule beigebracht (naja vielleicht waren von denen nur wenige in der Schule ^^)


MfG Piwi
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kommt es dann zur Eukalypse?
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