Geflochtene Schnur / Abstimmung

Diskussionen mit Biss! Uwe Pinnau vom Deutschen Hechtangler-Club steht Rede und Antwort

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Stefan von Hatten

Re: Geflochtene Schnur / Abstimmung

Beitrag von Stefan von Hatten » 26 Apr 2009 08:12

Moin,

die Diskussionen um die Notwendigkeit der Dicke der Schnur gabs irgendwann schonmal :-) Ich finde es bisweilen schon überdimensioniert, mit was für Schnurklassen geschleppt oder gejerkt wird. Aber jeder, wie er will - und wer fängt, hat (auch) recht. :D Wie immer im Leben gibt es eben nicht nur eine Wahrheit.

Ich vergleiche das oft mit dem Gerät, was früher eingesetzt wurde zum Schleppen, Blinkern, Spinnen etc. vor der grossen Welle der Geflochtenen. Als Beispiel - es galt als normal, mit einer 30er (teilweise 35er) mit der Spinnrute auf Hecht zu gehen, beim Schleppen gabs ne 35er, max. 40er. Darüber hinaus wurde es brachial.... Korrigiert mich, wenn ich falsch liege...

Die Schnüre damals hatten eine Tragkraft von vielleicht: 35er: 11kg, 40er: 14kg? Da liege ich mit den Geflochtenen heute doch weit drüber - und ich bin auch immer wieder erstaunt, wieviel auch die 10er Geflochtenen beim MeFo Angeln abkönnen.

Der Vorteil der Geflochtenen ist für mich, daß ich mit gleicher Tragkraft dünner und sensibler fischen kann, daß ich mehr Ködergefühl habe, die Rute leichter und sensibler wählen kann etc.... Und darum geht es mir (persönlich) ganz besonders. Die Ruten sind wesentlich schneller geworden, leichter, die Blanks viel dünner. Das geniesse ich an dieser Entwicklung. Daher gehe ich mit dem Schnurdurchmesser runter und kann das Gerät enstprechend anpassen. Für mich DER Vorteil der geflochtenen Schnüre. Und - natürlich - insbesondere beim Küstenangeln - weitere Würfe durch die dünnere Schnur ohne Verlust der Sicherheit.

Petri!

Stefan

Georg Baumann
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Re: Geflochtene Schnur / Abstimmung

Beitrag von Georg Baumann » 26 Apr 2009 08:58

Als ich vor ein paar Jahren mit den gefochtenen Schnüren angefangen habe, hatte ich ziemlich dünnes Geflecht drauf. Da bin ich schon mal mit einer 0,10er Fireline zum Zanderangeln gezogen (keine Ahnung, welche Tragkraft die hatte, müsste aber zwischen 4 und 5 kg liegen). Auch beim Hechtangeln war ich mit ziemlich dünnen Schnüren mit Tragkräften von 8-9 kg unterwegs. Im Laufe der Zeit bin ich dann Schritt für Schritt wieder zu stärkeren Schnüren zurück gekommen, da ich teilweise beim Anhieb Fische verschlagen habe. In diesem Augenblick treten nämlich die größten Belastungen auf, was häufig etwas unterschätzt wird. Besonders wenn man mit steifen Hechtruten fischt und am anderen Ende ein größerer Fisch ein gutes "Gegengewicht" bildet.

Hier also meine Schnüre, mit denen ich diese Probleme nicht mehr habe:
Jerken: Aspire Spinning 22,9 kg TK
Boddenangeln auf Hecht und leichteres Jerken: 30 lb PowerPro (USA-Version, die die Knotentragkraft, nicht die lineare TK angeben)
Normales Hecht- und Zanderangeln (Gummi, Twitchen, etc.): 20 lb Powerpro
Barschangeln: 0,10er Fireline rosa (TK nicht bekannt), Aspire Spinning 5,8 kg

Mit der PowerPro bin ich äußerst zufrieden. Ebenso mit der Fireline, die ich schon seit 3(!) Jahren aufgespult habe und noch keine Probleme hatte. Die Aspire-Schnur macht einen sehr guten Eindruck, allerdings habe ich sie noch nicht so lange drauf und kann daher noch nichts konkretes sagen.

Natürlich sind die Schnüre etwas dicker, was mich in der Praxis aber nicht stört. Im Notfall häng ich halt einen etwas dickeren Bleikopf dran, was zumindest die Hechte nicht stört. Auf Zander angle ich ja ziemlich selten ... Wurfweite spielt bei meiner Angelei eine ungeordnete Rolle, da ich eh meist mit dem Boot unterwegs bin. Ausnahme ist die Mefo-Fischerei, die ich dieses Jahr für mich entdeckt habe. Da muss ich die richtige Schnur noch finden.
Immer dicke Fische!
Georg

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Re: Geflochtene Schnur / Abstimmung

Beitrag von Team Hiroshi » 26 Apr 2009 19:33

Hallo zusammen!

Also seit mir bitte nicht böse, aber wir können hier doch keine allgemein sinnvollen DIN-Normen festsetzen. Mit Verlaub: Die da oben die mehr im Norden fischen, haben ganz andere Wasserverhältnisse (etc.) wie wir hier im Bayerischen Osten. Weder Dorsch und Co sind bei uns zuhause, und bei meinem künstlichen Speichersee vor Ort ist auch bei ein paar Metern Wassertiefe Schluß. Unsere Vils ist hier auch nur bis 2 m tief, da stehen eben die Zander und Hechte logischerweise nicht bei 10 oder 15 Meter. 40-er oder 50-er Barsche sind auch nicht vorhanden.
Man kann keine Auskünfte in Punkto Schnur geben, wenn wir doch alle in verschiedenen Regionen oder Bundesländern wohnen und auch ganz andere Gewässer haben. Trotzdem ist der letzte 123-er Hecht im vergangenen Sommer hier vor der Haustüre auf Köderfisch von einem 16-jährigen gefangen worden, und schöne Waller mit 180 cm sind auch immer wieder drin. Ich kenne Fischer, die hier in einem Zeitraum von 4 Wochen 5-6 solcher Exemplare im letzten Sommer gefangen haben. Ich meine nur: Wir haben hier auch ganz tollen Fischbestand, und 80 oder 90-er Hechte und gute Zander sind immer drin. Das ich evtl. am Rhein auf einem Betondamm und starker Strömung nicht mit einer 2,10-er Spinnrute auskomme ist dann auch klar, da sollte sie warscheinlich 270 oder 300 cm haben, und so ist´s mit der Schnur eben auch.

Gruß!
Florian
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Re: Geflochtene Schnur / Abstimmung

Beitrag von Karpfenfischer » 26 Apr 2009 19:37

Deshalb hat der Threadersteller auch die Frage gestellt, wie wir auf unsere Methoden, Verhältnisse und Zielfische abstimmen.
Gruß

Markus

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Re: Geflochtene Schnur / Abstimmung

Beitrag von Nachtangler » 27 Apr 2009 22:22

Ehrlich gesagt mache ich mir bei der Wahl meiner geflochtenen Schnüren bei weitem weniger Gedanken als bei Mono.
Ist ziemlich knapp meine Auswahl, entweder
Fireline Crystal 0,12mm - 6,8kg
oder
WFT Cast Trans Round 0,18mm -12kg // 0,26 - 18kg
Feinere Schnüre nehme ich nur ab und zu beim Friedfischangeln.
und 18kg ist eigentlich nur beim Kutterangeln
oder wenn ich versuche bei uns am Auslauf einen der großen Welse zu überlisten. (Was mir aber selber noch nicht gelungen ist.)
Das Wissen des Anglers über Fisch und Gewässer fängt und nicht das Angelgerät.

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Re: Geflochtene Schnur / Abstimmung

Beitrag von Beliebt » 28 Apr 2009 12:00

Also ich habe es auch so verstanden dass hier die Frage war nach welchen Kriterien man die Schnur wählt und nicht um anderen mitzuteilen welche teuren Schnüre man angelt.

Selbstverständlich ist jede Wahl ein Kompromiss aus vielen Vor- und Nachteilen, ich teile aber wie folgt ein:

Angelmethode:
Ansitzangeln = Mono
Jiggen = Geflecht
Vertikal = Geflecht
Spinnfischen (Spinner und Wobbler) = beides möglich
Trolling = Mono
Einfaches schleppen = Geflecht
usw.

Angelgewässer:
Kurze Distanz = Mono
Lange Distanz = Geflecht
Wenig Strömung = Mono
Viel Strömung = Geflecht

Zielfisch:
Weiches Maul = Mono
Hartes Maul = Geflecht

Dann kommen noch Faktoren wie Rutenaktion und Bremseinstellung hinzu und schon ist die Entscheidung zwischen Mono und Geflecht getroffen.

Für die Wahl der Schnurstärke gilt es dann die erforderliche Wurfweite, Strömungsdruck, Sichtigkeit des Gewässers, zu erwartende Fische, Drillbedingungen und vieles mehr zu berücksichtigen.

Ist Rute, Rolle und Schnur zusammengestellt wird noch die Bremseinstellung angepasst damit die Schnur beim Anhieb und Drill nicht reisst.

Das Problem vieler Angler bei der Wahl der Schnur ist entweder die Nutzung von Allroundgerät (mit der schweren Aalangel auf Köderfischjagd!) oder ein Fehler im System. Wer seine Bremse zuknallt und einen Anhieb setzt als wäre er beim Haifischangeln braucht sich nicht wundern dass die Schnur reisst. Anstatt hier Bremseinstellung oder Anhieb zu überdenken (vom Knoten mal ganz abgesehen) wird der Fehler beim Material gesucht und es kommt eine stärkere Schnur zum Einsatz.
Hier empfehle ich jedem einfach mal daheim den Test zu machen und nur 50% der Schnurtragkraft als Gewicht an die Schnur zu binden um zu überprüfen ob nicht vorher schon die Bremse anspringt oder die Rute so durchgebogen ist wie es im Drill nie der Fall wäre.
Wenn dem so ist kann unter Umständen eine leichtere Schnur reichen.

Hab jetzt bestimmt was vergessen zu schreiben aber vielleicht reicht es ja zumindest als Denkanstoß.

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Re: Geflochtene Schnur / Abstimmung

Beitrag von Lahnfischer » 28 Apr 2009 14:27

- sehr leichtes Forellen- und Barschspinnen im Bach oder stehenden Gewässer 020er Mono
- leichtes Spinnfischen/Jiggen auf Barsch, Bafo und Döbel in der Lahn entweder auch 020er Mono oder aber ne 012er Spiderwire mit glaube 7 Kilo
-mittleres Jiggen/Spinnfischen auf Hecht und Zander 9 Kilo PowerPro (entspricht meiner gefischten 15 LBs-US-Version)
- schweres Spinnfischen/Jiggen mit 23er Schlappen, Bulldawgs ect. und Jerken Spiderwire Stealth mit 50 LBs
- Leichte Twitchrute (Baitcasting) ebenfalls 012er Spiderwire Stealth mit 7 Kilo

Interessant wäre da noch die (Stahl)Vorfachfrage dazu.
Bei mir ist das Stahl-/Titanvorfach als Sollbruchstelle ausgelegt, das ist dann Tragkraftmäßig etwas unterhalb der Schnurtragkraft angesiedelt.
So verwende ich beim leichten Spinnfischen (7 Kilo-Schnur) ein 7-Strand von 5 Kilo, beim mittleren Spinnfischen/Jiggen (9 Kilo-Schnur) meist nur ein 6,8-Kilo-7-Strand, beim schweren Spinnfischen/Jerken (50-LBs-Schnur) je nach Köder entweder 12 kilo 7-Strand oder aber 40 LBs Titan, an der Twitche mit 7-Kilo Schnur ein dünnes 6,7-Kilo Titan oder 6,8 Kilo 7-Strand.
Gruß Thomas

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Re: Geflochtene Schnur / Abstimmung

Beitrag von Uwe Pinnau » 28 Apr 2009 14:42

@Beliebt

Auch ein guter Ansatz zu antworten. Übersichtlich und gut nachvollziehbar.
Die Nennung von Schnurmarken halte ich hier dennoch für recht sinnvoll, da man dann zum einen eine Empfehlung aussprechen kann und andererseits vielleicht auch die Chance erhält die eher minderwertigeren Produkte rauszufiltern.
Bei all den vielen Geflechten ist ja auch schon einiges an Murks dabei und wir haben hier im Forum ja auch eine Art von gegenseitigem Bildungsauftrag :wink:
www.deutscherhechtangler-club.de
"Never argue with an idiot. They drag you down to their level and beat you with experience"



[img]http://www.deutscherhechtangler-club.de/Bilder-Rodd/nov6.jpg[/img]

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Re: Geflochtene Schnur / Abstimmung

Beitrag von Team Hiroshi » 28 Apr 2009 20:39

Hallo! <knicks`chen macht> :lol:

Bravo "Beliebt! - Du sprichst mir aus der Seele,- genau so ist´s wie Du´s schreibst.

Merci und Gruß!

Florian :wink:
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Re: Geflochtene Schnur / Abstimmung

Beitrag von Georg Baumann » 04 Mai 2009 11:56

@Beliebt: Sicher auch ein Ansatz, der vieles für sich hat. Allerdings bietet der Markt inzwischen so viele gute Produkte an, dass ich lieber das Gerät meinem Angelstil anpasse als umgekehrt. Denn ein knallharter Anhieb hat gerade beim Hechtangeln große Vorteile. Wenn da schon die Bremse anspringt, kann es passieren, dass der Haken manchmal nicht richtig sitzt.
Immer dicke Fische!
Georg

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Re: Geflochtene Schnur / Abstimmung

Beitrag von KevPike » 04 Mai 2009 18:02

@Uwe

meine Erfahrung ist:


TuffLine 0,13mm / Spinnfischen
(Rute: Abu Fantasista Wg=10g-50g)
(Rute: Shimano BeastmasterWg=10g-30g)
PowerPro 0,15mm / Spinnfische
(Rute: Shimano Antares Wg=20g-50g)
TuffLine XP 0,17mm / Spinnfischen
(Rute: Sportex KevPike Eigenbau 2,5lbs)

Liebe Grüße KevPike
Catch and Release!

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Re: Geflochtene Schnur / Abstimmung

Beitrag von Team Hiroshi » 05 Mai 2009 19:57

Moin! :wink:

....Und dann verlassen wir uns auf die selbstgebundenen Knötchen, die Wirbelchen oderKarabiner,- das Hardmono oder die selbstgezwickten Stahlvorfächer etc. etc. etc....Also genauer gesagt auf das i - Tüpfelchen - den letzten Meter der dann alles halten muß oder soll....<schmunzel>

BassFischen: Mono 0,18-er BAWO von "Toray" / Parallelwinding

Geflochtene: Stroft GTP/Spiderwire/Power Pro

Aber das Wichtigste: Pro Rolle 3 gefüllte u. sortierte E-Spulen, weil ich erst am Wasser entscheide welche drauf soll.

Gruß!

Florian
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