Kormoran in der Presse

Was geschieht gerade wo, wie und warum?

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Kormoran in der Presse

Beitrag von Thomas Kalweit » 11 Dez 2007 13:37

Ein Artikel zum Thema aus der Frankfurter Rundschau:

http://www.fr-online.de/in_und_ausland/ ... nt=1249548
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Re: Kormoran in der Presse

Beitrag von Smile » 11 Dez 2007 22:23

Ich habe denen erstmal einen Leserbrief vor den Koffer geschissen. Habe ich auch bei dem Doktor gemacht der diesen blöden Spruch in der TAZ wegen der Staustufensache in der Elbe gelassen hat. Der reagiert aber nicht, der Vollpfosten. :evil:
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Re: Kormoran in der Presse

Beitrag von Innfischer » 12 Dez 2007 10:11

Hallo

Der Brief des Verbandsvize gefällt mir ganz gut. So stelle ich mir u.a. die Verbandsarbeit vor.

Aus einigen anderen Foren ist mir bekannt, dass etliche Leserbriefe mit vergleichbarem Inhalt an die Frankfurter Rundschau gingen.

Ein Blick auf die Homepage der Zeitung unter Verwendung der Suchmaschine (Suchbegriff "Kormoran") ergab, dass lediglich ein Leserbrief (auszugsweise?) veröffentlicht wurde. Der stellte nur Fakten klar. Auf den Vorwurf der schlechten journalistischen Recherche, der auch massiv in den anderen Leserbriefen erhoben wurde, wird nicht eingegangen - ja dieser Vorwurf wird nicht einmal erwähnt.

Fragen: Ist die Homepage diesbezüglich unvollständig? Bin ich zu blöd die Suchmaschine zu bedienen? Oder ist die Redaktion so schwach auf der Brust/ so zentral getroffen, dass sie auf den Vorwurf der fehlerhaften journalistischen Arbeit (Recherche) nich reagieren will oder kann?

Grüsse
Innfischer

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Re: Kormoran in der Presse

Beitrag von Smile » 12 Dez 2007 10:31

wen es interessiert, das ist der Leserbrief:
Sehr geehrte Damen und Herren,

der Artikel ist ärgerlich. Ärgerlich deshalb, weil er sich einfach blindlings eine Position zu Eigen macht. Und das, ohne einmal im Hintergrund zu recherchieren.
Der Kormoran ist längst keine geschützte Art mehr und vom Aussterben schon lange nicht mehr bedroht. Der Nabu gefällt sich aber darin, erst mal pauschal auf alles, was nicht so recht in sein selbst gezimmertes ins Bild passen will, kräftig einzuschlagen.
Am Besten ist es aus seiner Sicht, einen Zaun zu ziehen, alle Menschen auszusperren und die Natur wird es schon richten. Wenn dann wer, aus welchen Gründen auch immer, der opportunen Meinung widerspricht, wird gleich riesiges Geschütz aufgefahren und die betreffende Person mit dem Prädikat Umweltsau versehen.
Angler sind beispielsweise Mafiosi, die sich Fischgewässer exklusiv unter den Nagel reißen wollen und nur ihre Fischwaid unter dem Gesichtspunkt 'mehr und größer' sehen. Dass diese Gruppe sich liebevoll um Gewässer kümmert, Zeit und (eigenes!) Geld in die Renaturierung der Habitate investiert, das interessiert doch niemanden. Dass Angler sich vehement für die Schonung gefährdeter Arten einsetzen, interessiert noch weniger.
Wenn Angler gar noch darauf hinweisen, dass etwa die Nutzung der Fließgewässer als Energieträger wenig Sinn macht, weil der Schaden den Nutzen bei weitem übersteigt, müssen diese sich vor Gericht der Lächerlichkeit preisgeben lassen, weil sie angeblich Ihre Fische selber töten wollen; in Kraftwerken und deren Staustufen nur Konkurrenten sehen.
Nabu und Greenpeace sind einfach en vogue und somit von vornherein über jeglichen Zweifel erhaben. Die können sich deshalb hinstellen und sagen, dass Elstern lediglich 15% ihrer Nahrung aus Jungvögeln decken; der Schaden somit viel geringer sei, als behauptet.
In 80% des Jahres gibt es keinerlei Jungvögel. Daraus lässt sich schließen, dass die Elster sich in den übrigen 20% des Jahres praktisch ausschließlich davon ernährt. Dummerweise zuckt der normale Bundesbürger trotz Pisa bei Dreisatz zusammen. Also glauben wir lieber dem Nabu, statt selber mal nachzurechnen.
Dass Äschenpopulationen praktisch zusammengebrochen sind, aufgrund des Fraßdrucks der Kormorane, das merken nur die Angler. Der Rest der Welt stellt sich wieder zum Nabu.
Unsere Familienmitgliedschaft dort ist gekündigt. Und, falls das noch nicht aufgefallen sein sollte, ich bin Angler und habe in diesem Jahr insgesamt 6 Fische entnommen.
Ich streite stattdessen mit vielen Angelfreunden um den Erhalt und die Verbesserung unserer Gewässer. Ja, auch aus egoistischen Motiven. Eines Tages wieder im Rhein Lachse fangen zu können und einmal, einen Lachs guten Gewissens entnehmen zu dürfen, das wäre ein Traum. Indes, es bleibt bei dem frommen Wunsch. Aber schon andere Gewässer wieder in einem der Natur näheren Zustand erleben zu dürfen und das Bewusstsein auch der anderen Nutzer dafür zu schärfen, wie vorsichtig mit dem Ökosystem Wasser umgegangen werden muss, ist mir Ansporn genug.
Ich würde es begrüßen, wenn eine Zeitung wie die Frankfurter Rundschau, sich vielleicht auch einmal jenseits wohlfeiler Pressemitteilungen Informationen beschafft. Wenn Sie nicht wissen wen Sie fragen sollen, bin ich gerne bereit Kontakte zu Menschen herzustellen, die sich zum Beispiel in Irland erfolgreich in Schutzprojekten für Fische engagiert haben. Dort ist der Hecht jetzt ganzjährig gegen Entnahme geschützt. Auf Drängen von Anglern. Das passt nicht ins Bild? Na ja, ist vielleicht ja das Bild der Angler in der Öffentlichkeit ein falsches?
Da sollten sie mal drüber nachdenken.
Mit freundlichem Gruß

Sigurd Raab
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Re: Kormoran in der Presse

Beitrag von Thomas Kalweit » 12 Dez 2007 12:52

Super Leserbrief!

Bin mal gespannt, ob Du von der Frankfurter Rundschau eine Antwort bekommst...
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Re: Kormoran in der Presse

Beitrag von andalG » 12 Dez 2007 15:26

Der Titel des Themas lies mich leider etwas anderes hoffen... frisch entsafteter schwarzer Vogel. 8)
[b]Bleibe im Lande und wehre dich täglich![/b]

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Re: Kormoran in der Presse

Beitrag von Blauhai » 12 Dez 2007 19:29

andalG hat geschrieben:Der Titel des Themas lies mich leider etwas anderes hoffen... frisch entsafteter schwarzer Vogel. 8)
Gleicher Gedanke :lol: :lol:
www.donaupirsch.de.tl

http://www.youtube.com/watch?v=tycQCRqcYg4&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=HmAKaOC3Cbo

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Re: Kormoran in der Presse

Beitrag von Iceman1 » 12 Dez 2007 23:41

Hallo Sigurt :D

Ein wirklich toller und Facktenreicher Leserbrief.

Bin auch gespannt ob die reagieren .

Gruss Walter 8)
[img]http://img50.imageshack.us/img50/3438/iceman1nt0.png[/img]

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Re: Kormoran in der Presse

Beitrag von Snoopy » 13 Dez 2007 08:51

Der Kormoran ist in Deutschland und ganz Europa noch immer ein geschützter Vogel. Nach EU-Vogelschutzrichtlinie ist in unseren Breiten alles geschützt, was an freilebendem Federvieh hier heimisch ist. Gilt selbstredend auch für den Kormoran.

Bei den Zeitungsartikeln dieser Art fallen immer die gleichen Namen als Quellen. Vielleicht sollte man neben der Richtigstellung der Fakten auch dazu übergehen, den Finger auf die fachliche (In-)Kompetenz der sogenannten Fachleute zu legen. Wenn ein Dr.Nipkow in seiner Pressemitteilung vom 21.10.07 die Barbe zum Massenfisch und wichtigsten Beutefisch des Kormorans macht, gehört ihm das doch brühwarm unter die Nase gerieben, wenn er das nächste Mal den Hals aufreißt ... ;) Vielleicht sollten wir für derartige "Sachkundenachweise" eine Sammelstelle einrichten, denn Dr.Nipkow ist kein Einzelfall. Ein anderer Experte vom NABU wurde in der Regionalpresse mal mit der Aussage zitiert, dass nach einem Hochwasser im Gülper See bei Brandenburg die Aaleier ausgestickt wären. Fand ich irgendwie herzig ... :roll:

(nicht ausgestickte) Grüße ;)

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Re: Kormoran in der Presse

Beitrag von Innfischer » 13 Dez 2007 09:45

Hallo Snoopy,

insgesamt sehe ich das genau so wie Du. Nur eins möchte ich anmerken: Der Komoran wird nicht mehr durch die EU-Vogelschutzrichtlinie erfasst. Bereits 1997 wurde durch Streichung des Kormorans aus dem Anhang zur Vogelschutzrichtlinie die europaweite Schonung aufgehoben.
Wenn dennoch das erforderliche Bestandsmanagement nicht möglich ist, dann liegt das an speziellen deutschen Vorschriften. Deutsche Politiker sind gefragt!

Grüsse
Innfischer

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Re: Kormoran in der Presse

Beitrag von Snoopy » 13 Dez 2007 10:21

Hallo Innfischer,

ich will jetzt nicht den Krümelkacker raushängen lassen, aber wenn wir selbst oberflächlich argumentieren, betteln wir förmlich um verbale Breitseiten aus der Ecke der Vogelschützer.

Die EU-Vogelschutzrichtlinie (klick) ist so aufgebaut, dass sie generell alle in Europa heimischen Vogelarten unter Schutz stellt. Dann kommen die Anhänge ins Spiel. Anhang 1 listet die streng geschützten Arten auf. Aus diesem Anhang 1 ist der Kormoran vor Jahren rausgeflogen. Anhang 2 listet die Arten auf, die in den Mitgliedsstaaten der EU bejagt werden dürfen. In dem taucht der Kormoran bisher leider nicht auf.

Fazit: Der Kormoran ist gemäß Vogelschutzrichtline nicht mehr streng geschützt. Er fällt aber dennoch unter Artikel 1 der Richtlinie und steht damit weiter unter Schutz.

Soweit meine Lesart. Wenn ich damit falsch liege, bin ich für 'ne Richtigstellung dankbar.

ungeschützte Grüße ;)

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Re: Kormoran in der Presse

Beitrag von Innfischer » 13 Dez 2007 11:38

Hallo Snoopy,

ich bin kein Jurist und es macht mir auch keinen großen Spass in Rechtsvorschriften rumzuwühlen. Daher bin zwar bemüht, dennoch sind meine Ausführungen notgedrungen laienhaft.

Vor diesem Hintergrund mein Erkenntnisstand: Die in Anhang I der EWG Verordnung aufgeführten Vögel sind streng geschützt. Die in Anhang II genannten (Kormoran) sind jagdbar, wenn sie durch Rechtsvorschrift ausdrücklich als jagdbar erklärt werden. Zuständig dafür sind die einzelnen Mitgliedsstaaten, also die Bundesrepublik Deutschland. Steht nach meinem Verständnis so auch in Artikel 7 der EWG Verordnung.

Ausserdem gibt es eine Erklärung sowohl der EU-Kommission als auch des Europaparlaments (ich glaube aus dem Jahr 2005) wonach sie das Kormoranproblem in der Regelungkompetenz der Mitgliedssstaaten sehen.

Aber das ist alles Juristerei. Wichtig für uns ist, dass wir das Spiel nicht zulassen, dass die deutschen Politiker die Verantwortung nach Europa abschieben und dort wieder auf Deutschland zurückverwiesen wird. Darum muss klar sein: Deutsche Politiker sind verantwortlich.

So sehe ich das.

Beste Grüsse
Innfischer

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