Richtiger Fischbesatz

Was geschieht gerade wo, wie und warum?

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hobbyangler
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Richtiger Fischbesatz

Beitrag von hobbyangler » 18 Nov 2002 21:25

Hallo !
Habe schon eine e-mail an Thomas disbezüglich gesandt, die er mir auch prompt beantwortet hat. Vielen Dank dafür.
Ich bin seit ein paar Monaten Mitpächter ( zwei weiteren Angelkollegen )eines kleinen Angelteiches, ca. 80 x 50 m und ca. 2,5-3m tief. Der Grund ist mehr oder weniger schlammig, die Gemeinde, der dieser Teich gehört, hat leider keine Geldmittel um ihn auszubaggern. Wir möchten daraus einen reinen Angelsee machen und haben deshalb vor kurzem das Wasser abgelassen, um den alten Fischbestand, der noch vom Vorbesitzer übrig war, zu kontrollieren. Es befanden sich ca. 50 Karpfen ( 3-5 Pfund ), ca. 15 Schleien ( 20-30 cm ), einige Karauschen, Rotfedern und Rotaugen darin. Diese haben wir nun über den Winter in einen kleinen Ausweichteich umgesetzt, da es an unserem Gewässer viel zu tun gibt ( alten Mönch auswechseln, Baüme und Büsche abholzen usw. )
Da wir aber alle drei mit einem eigenen Gewässer Neuland betreten, hätte ich da einige Fragen, vielleicht kann mir der eine oder andere weiterhelfen ?
Wir möchten wie bereits ausgeführt einen reinen Angelsee daraus machen, deshalb mit Friedfischen sowie Raubfischen besetzen, welche und wieviele davon wären angebracht ?
Der See hat keinen regelmäßigen Wasserzulauf, nur wenn es regnet oder im Frühjahr der Schnee taut, er bekommt aber trotzdem viel Wasser, da er sich am Fuß von einigen Weinbergen befindet ( Unterfranken ).
Laut Vorbesitzer seien auch Zander immer sehr gut abgewachsen !?!
Laut Vorbesitzer sollen etwa 250 Karpfen, 120 Schleien, 20 Zander und viele Weissfische daringewesen sein, was davon noch übrig war, habe ich ja bereits geschildert.
In dem See befand sich noch ein alter Mönch (Schachtringbauweise), von dem ein 200er KG-Rohr zur tiefsten Stelle ging und von dort nach oben an die Wasseroberfläche. Der See hatte zwischenzeitlich sehr viel Wasser, das über dieses Rohr hinausging. Kann es sein, dass deswegen viele Fische durch dieses Rohr verlorengingen ???
Für Antworten wäre ich sehr dankbar !!!

mzg
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Richtiger Fischbesatz

Beitrag von mzg » 18 Nov 2002 23:52

Hallo Hobbyangler,

Der Besatz hängt in erster Linie von eueren Vorstellungen ab.
Wollt ihr füttern, und den jährlichen Zuwachs "ernten". Wollt ihr nicht füttern, und den Zuwachs ernten? Wollt ich catch and release fischen?

Als erste Maßnahme würde ich den Teichboden ordentlich mit Brandkalk kalken (lassen). Das hilft zum einen, den Schlamm zu reduzieren, zum anderen werden so diverse Schmarotzer reduziert, die in einem wie beschrieben schlecht gepflegtem Teich sicher vorhanden sind.

Der vorhandene Besatz ist ebenfalls mit vorsicht zu geniesen. Bitte prüft genau den Gesundheitsstatus dieser Fische. Die Schleien sollten auf jeden Fall auf Kiemenkrebse untersucht werden. Diese können einem Schleien- und auch Hechtbesatz böse zusetzen.
Im Zweifelsfalle lieber auf den Altbesatz verzichten, auch wenn er einem lieb und teuer ist.

Ohne Fütterung kannst du davon ausgehen, dass der Teich ca. 10 - 20 mittlere Karpfen (gemischt 3 bis 10 Pfund) und ca. 2 Zentner Futterfische gut ernähren kann. Alles was darüber hinausgeht dürfte auf Zuwachs = 0 rauslaufen. Dazu 5 bis 10 Zander.
Der gesamte Zuwachse dürfte dann bei 20 bis 50kg pro Jahr liegen, wenn er regelmäßig entnommen wird.
Wenn ihr regelmäßig Fangen und Entnehmen wollt dürfte das für 3 Leute zu wenig sein.
Bei mäßigem Futtereinsatz (Weizen) ist dann schon ein Besatz von 50 bis 100 Karpfen, 150kg Futterfisch und 20 Zandern möglich.
Der Zuwachs liegt dann eher bei 100 bis 150kg. Damit sollte euch gut gedient sein.

Ich würde im ersten Jahr mit 50 K2, 50 K3, 50 S2, und 50 kg leichfähigen Rotaugen besetzen. Lieber etwas zu wenig als zu viel. Sollte sich bei den Rotaugen der gewünschte Nachwuchs einstellen würde ich im 2. Jahr Zander setzen.
Entnahmen bei Karpfen, Schleien und Zander jährlich durch Besatz ausgleichen. Karpfen/Schleien/Zander: 10 raus = 12 rein (S2, K2, Z2)
Sollten die Fische sehr gut abwachsen, kann der Bestand vorsichtig erhöht werden. Dabei bitte den Zuwachs bei den Futterfischen nicht vergessen.

Viel Erfolg,
mzg


<BLOCKQUOTE><font size="1" face="Verdana, Arial">Zitat:</font><HR>Original erstellt von hobbyangler:
<STRONG>Hallo !
Habe schon eine e-mail an Thomas disbezüglich gesandt, die er mir auch prompt beantwortet hat. Vielen Dank dafür.
Ich bin seit ein paar Monaten Mitpächter ( zwei weiteren Angelkollegen )eines kleinen Angelteiches, ca. 80 x 50 m und ca. 2,5-3m tief. Der Grund ist mehr oder weniger schlammig, die Gemeinde, der dieser Teich gehört, hat leider keine Geldmittel um ihn auszubaggern. Wir möchten daraus einen reinen Angelsee machen und haben deshalb vor kurzem das Wasser abgelassen, um den alten Fischbestand, der noch vom Vorbesitzer übrig war, zu kontrollieren. Es befanden sich ca. 50 Karpfen ( 3-5 Pfund ), ca. 15 Schleien ( 20-30 cm ), einige Karauschen, Rotfedern und Rotaugen darin. Diese haben wir nun über den Winter in einen kleinen Ausweichteich umgesetzt, da es an unserem Gewässer viel zu tun gibt ( alten Mönch auswechseln, Baüme und Büsche abholzen usw. )
Da wir aber alle drei mit einem eigenen Gewässer Neuland betreten, hätte ich da einige Fragen, vielleicht kann mir der eine oder andere weiterhelfen ?
Wir möchten wie bereits ausgeführt einen reinen Angelsee daraus machen, deshalb mit Friedfischen sowie Raubfischen besetzen, welche und wieviele davon wären angebracht ?
Der See hat keinen regelmäßigen Wasserzulauf, nur wenn es regnet oder im Frühjahr der Schnee taut, er bekommt aber trotzdem viel Wasser, da er sich am Fuß von einigen Weinbergen befindet ( Unterfranken ).
Laut Vorbesitzer seien auch Zander immer sehr gut abgewachsen !?!
Laut Vorbesitzer sollen etwa 250 Karpfen, 120 Schleien, 20 Zander und viele Weissfische daringewesen sein, was davon noch übrig war, habe ich ja bereits geschildert.
In dem See befand sich noch ein alter Mönch (Schachtringbauweise), von dem ein 200er KG-Rohr zur tiefsten Stelle ging und von dort nach oben an die Wasseroberfläche. Der See hatte zwischenzeitlich sehr viel Wasser, das über dieses Rohr hinausging. Kann es sein, dass deswegen viele Fische durch dieses Rohr verlorengingen ???
Für Antworten wäre ich sehr dankbar !!!</STRONG><HR></BLOCKQUOTE>

hobbyangler
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Richtiger Fischbesatz

Beitrag von hobbyangler » 19 Nov 2002 12:02

Hallo mzg !

Vielen Dank für deine Antwort, Du hast mir wieder ein Stück weitergeholfen. Ich habe auch schon gehört, dass man den Teich mit Brandkalk behandeln kann, wer kann mir sagen, wie genau das geht ?
Der Besatz wird auf jeden Fall regelmäßig gefüttert, dass habe ich schon in den letzten Monaten regelmäßig selbst übernommen.
Mich würde noch brennend interessieren, was Du für eine Meinung bzw. Idee bezügl. der hohen Verluste des letzten Besatzes hast ?
250 Karpfen, 120 Schleien und 20 Zander - so gut wie nichts mehr davon übrig !

mzg
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Richtiger Fischbesatz

Beitrag von mzg » 19 Nov 2002 23:50

Hi hobbyangler,

Der Besatzverlust kann die verschiedensten Gründe haben.

Als Grund Nr. 1 kommt für mich die in Anglerkreisen häufiger mangelhaftige Glaubhaftigkeit der Zeugen in Frage ;-).
Gerade bei Angelvereinen erlebt man immer wieder die verschiedensten Überraschungen, wenn Teiche abgelassen werden.
In meinem Heimverein war fast jeder der Meinung, die 2 Angelteiche seien völlig leergefischt. Mich hat man verlacht, als ich noch einer Zählaktion sich sonnender Karpfen meinerseits behauptet habe in dem Teich von knapp 1ha stecken noch mind 80 Karpfen zwischen 3 und 15 Pfund.
Beim Ablassen wurden dann ca. 150 maßige Karpfen dieser Klasse, einige saftige Hechte und eine Unmenge Giebel vorgefunden. Dann wurden für den Transport erstmal neue Behälter und Fahrzeuge rangeschafft ;-).
In einem anderen Fall hat ein Bekannter von mir einen Teich von einem Fischereiverein übernommen. Da ihm hauptsächlich am Biotobwert des Gewässers gelegen war, wollte er das Ablassen des schwer zugänglichen Teichs vermeiden, und gab ein wirklich gutes Gebot für den geschätzten Besatz ab. Das war dem Verein zu wenig, und so wurde beschlossen, den Teich abzulassen und den Bestand zu wiegen.
Die 5 Karpfen und ca. 25kg Futterfische haben meinem Bekannten mehrere hundert € gespart und beim Verein viele lange Gesichter hinterlassen.

Grund 2: Diebstahl:
Unserem Verein wurde vor einigen Jahren ein mit Fahrzeugen nicht zugänglicher (in einer verschlossenen Viehweide) Karpfenaufzuchtteich komplett leergestohlen. Von den ca. 300 Karpfen waren in Herbst noch 3 oder 4 da. Eine Abwandern der Fische ist definitiv auszuschließen.

Grund 3: Fischsterben:
Das hätte aber bemerkt werden müssen.

Grund 5: Abwandern.
Bei einem offenen 200er Rohr durchaus möglich. Für Karpfen und Schleien eher untypisch, mein eigener Teich mit 0,8 ha wird
bei Starkregen regelmäßig so überflutet, das die Karpfen problemlos abwandern könnten. Ich habe aber nie größere Verluste beobachtet.
Zander dagegen wandern gerne ab. So werden z.B. in manchen Fischzuchtbetrieben junge Satzzander nachts im mäßig geöffneten Ablauf der Aufzuchtteiche per Netz gefangen.
Falls den Fischen die Bedingungen im Teich nicht zusagen, z.B. Überbesatz, Futtermangel, Sauerstoffmangel etc.etc. kann das das Abwandern fördern.
Ich habe z.B. 2x mehrerr hundert Stichlinge besetzt, aber beim Ablassen nie auch nur einen einzigen (ohne Witz!) gefunden, obwohl in fast jedem Bach des Flusssystems welche zu finden sind.

Gruß,

mzg


<BLOCKQUOTE><font size="1" face="Verdana, Arial">Zitat:</font><HR>Original erstellt von hobbyangler:
<STRONG>Hallo mzg !

Vielen Dank für deine Antwort, Du hast mir wieder ein Stück weitergeholfen. Ich habe auch schon gehört, dass man den Teich mit Brandkalk behandeln kann, wer kann mir sagen, wie genau das geht ?
Der Besatz wird auf jeden Fall regelmäßig gefüttert, dass habe ich schon in den letzten Monaten regelmäßig selbst übernommen.
Mich würde noch brennend interessieren, was Du für eine Meinung bzw. Idee bezügl. der hohen Verluste des letzten Besatzes hast ?
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Richtiger Fischbesatz

Beitrag von Thomas Kalweit » 20 Nov 2002 17:43

[img]images/smiles/icon_smile.gif[/img] Hallo Hobbyangler, hallo mzg,

wie steht Ihr zu der Meldung "Schadet Fischbesatz?" unterAktuelles.

Ist nicht weniger Besatz auch oft mehr? Sollte man als Pächter nicht lieber Geld in die Anlage von Laich-Möglichkeiten, wie z.B. Flachwasserzonen stecken? - oder nur wie bisher in den "Intensivbesatz" investieren?

Sicher ein Thema worüber es sich zu diskutieren lohnt!

Viele Grüße,

Thomas
Online-Redaktion FISCH & FANG / DER RAUBFISCH
E-Mail: thomas.kalweit@paulparey.de

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Richtiger Fischbesatz

Beitrag von hobbyangler » 20 Nov 2002 21:22

Hallo Thomas !

Ich habe Deinen Beitrag und auch den Artikel gelesen. Ich glaube schon, dass es nicht immer das beste ist, wenn Jahr für Jahr die Teiche mit einer Menge an Besatzfischen überschwemmt werden, hierbei kann sich auf Dauer bestimmt kein gesunder Bestand einstellen.
Man sollte aber auf jeden Fall zwischen Angelteichen und reinen Aufzuchtteichen, wie sie viele Fischwirte bewirtschaften unterscheiden. Hier hängen zum Teil Existenzen einiger Familien dran oder es ist aber zumindest ein zweites Standbein finanziell gesehen.
Was die Angler betrifft, sollte man schon darauf achten, dass der Teich den darin befindlichen Fischarten die Möglichkeit bietet, sich auch selbst zu vermehren, also genügend Laichmöglichkeiten hat.
In meinem eigenen Angelteich versuche ich nun auf jeden Fall, da ich gerade darüber bin, diesen wieder herzurichten (ziemlich schlechter Zustand !), diese Plätze einzurichten. Er verfügt bereits über einen Schilfbestand in einer Flachwasserzone, diese möchte ich noch mit Seerosen ergänzen und dann das beste hoffen !!!
Ich muß aber auch zugeben, dass ich für mein Leben gerne angle und deshalb nicht vier oder fünf Jahre warten möchte, bis ich das erste Mal die Angel auspacken kann. Deshalb werde ich nicht umhinkönnen, den ein oder anderen Besatzfisch einzubringen.

Gruß, hobbyangler

mzg
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Richtiger Fischbesatz

Beitrag von mzg » 21 Nov 2002 22:26

Hallo Thomas,

Ein heikles Thema, das du da ansprichts.
Das "Idealbild" sei ein naturnaher Bestand mit natürlicher Arten- und Altersstruktur.
Die These ist jetzt, das Besatz (in voller Pauschalität) einem solchen abträglich ist.

Diesem Idealbild kommen in Deutschland die reinen Fliegenfischerstrecken an den Salmonidenbächen und die großen Ströme am nächsten. (Ich gehe mal von fischereilich genuzten Gewässern aus, was ja in unserem Interesse als Angler liegt.)
Die ersteren, sofern sie als catch&release Gewässer geführt werden (was nebenbei bemerkt in diesem Lande ja verboten ist), die lezteren, weil die Angler weniger Einfluss auf den Bestand haben. Der Idealzustand ist also legal in Deutschland nicht zu erreichen. Die Holländer (Gruß an JE) zeigen uns aber, wie es geht.

Auf den meisten Gewässern lastet ein sehr hoher Befischungsdruck, wobei ein Großteil der Angler Beute mitnehmen will. Diese Gewässer sind so nicht zu bewirtschaften. Hier hilft nur die alte Besatz rein, Besatz raus Methode. Ich habe daran nicht prinzipell etwas auszusetzten, so wird vielen Anglern ihr Hobby erst ermöglicht.
Klassische Beispiele sind viele Forellengewässer und die typischen Karpfen-Angelteiche.
Die Karpfen kommen mit der Umsetzerei sehr gut zurecht, solange sie von stehendem Gewässer in stehendes Gewässer erfolgt. Auf einen natürlichen Besatz muss im Angelteich in 99,9% der Fälle keine Rücksicht genommen werden.
Ein beliebter Auswuchs ist es Teichkarpfen in Fließgewässer umzusetzen. Ich durfte eine solche Maßnahme einmal mehrere Wochen beobachten. Im klaren Wasser schwammen die Karpfen immer eng zusammen in 2 Pulks, stets war ihre mangelnde Fließwassererfahrung am deckungslosen Kampf gegen die Strömung abzulesen. Die Fische waren binnem Kurzem fast alle wieder herausgeangelt. Der Rest ist verschwunden, ich kann nicht sagen, ob abgetrieben oder die Sache mit der Strömungsdeckung verstanden. Mein Urteil: Klarer Besatzfehler, aber ohne Auswirkung auf den Bestand.

...muss los, später mehr...
Würde mich freuen, wenn sich noch mehr an der Diskussion beteiligen.

Gruß, mzg

Just
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Richtiger Fischbesatz

Beitrag von Just » 22 Nov 2002 10:39

Wenn man die Teichwirtschaften mal aussen vor lässt und den Artikel nur auf die Gewässer bezieht, die mit der Angelrute befischt werden, dann haben die Wissenschaftler sicher zum großen Teil recht.
Da muss sich aber zuerst im Kopf der meisten Angler etwas ändern, sie müssten nämlich von dem Gedanken Abstand nehmen, den Preis der Tages-, Monats- oder Jahreskarte in Fisch aufwiegen zu wollen - und das fällt einigen extrem schwer. Wer fischen geht, ist dadurch nicht zwangsläufig auch ein Fischer ! Da gehört etwas mehr dazu - wer einen Führerschein hat, ist für mich auch noch lange kein Autofahrer, auch wenn er es darf.
Ein gesunder, natürlicher und sich selbst reproduzierender Besatz ist im wahrsten Sinne des Wortes tausendmal mehr wert, als jede Menge dicke fangfähige Fische, man spart nämlich den teuren und oft auch minderwertigen Besatz. Einzelne Kapitale wachsen in einem natürlichen Gewässer von alleine ab, man darf natürlich in einem 5 Meter breiten Flüsschen keinen 30-pfündigen Hecht erwarten.
Bei den künstlich angelegten Angelteichen sieht das Ganze etwas anders aus, denn diese Gewässer wurden sozusagen am Reissbrett konzipiert und konstruiert. Vielen fehlen von Haus aus die Indizien, die ein natürliches Gewässer ausmachen. Es fehlen Laichplätze und es muss zugefüttert werden, da diese Gewässer meistens überbesetzt sind und den Futterbedarf, wenn überhaupt, dann aber nicht in ausreichender Menge produzieren können. Daher ja auch die Bezeichnung "Puff", eine schnelle Bedürfnisbefriedigung ohne weitergehende Verpflichtung - auch da wäre ein Umdenken angesagt.
Und nicht zum Schluss müsste auch die Gesetzgebung flexibler werden und die Vereine und den einzelnen Fischer zu mehr Eigenverantwortung verpflichten, wird ja nicht immer gern wahrgenommen. Die Verpflichtung, Einnahmen durch Fischkartenausgabe zwangsweise in Besatz "umzumünzen" müsste wegfallen oder flexibler gestaltet werden, genauso wie die zwangsweise Entnahme gerade maßiger Fische. Das Mindestmaß muss dahingehend umdefiniert werden, dass Fische bis zu einer bestimmten Größe im Gewässer verbleiben können (aber mindestens einmal im Leben ablaichen), ab einer gewissen Größe aber mitgenommen werden müssen (Überalterung) - beim Hecht beispielsweise 70cm, müsste beim einzelnen Gewässer durch den Bewirtschafter verantwortlich definiert werden. Wie schon gesagt, einzelne Kapitale wachsen immer ab.
Das Umdenken beginnt eigentlich schon bei der Wortwahl - wir sprechen vom Ertrag eines Gewässers. Das heisst nichts anderes, als das alles auf Wirtschaftlichkeit ausgerichtet ist und dass das nicht unbedingt förderlich für die Natur ist, sollte inzwischen auch der letzte Hinterbänkler begriffen haben.

mzg
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Richtiger Fischbesatz

Beitrag von mzg » 24 Nov 2002 02:37

Hallo Just,
Deine Thesen kann ich so nicht ohne Widerspruch stehen lassen.

Um dem Verdacht zuvorzukommen, ich beschäftige mich nur mit Besserwissen und Lästern möchte ich kurz beschreiben, wie ich mein Gewässer bewirtschafte:

Ich habe einen ca. 0,8ha größen ehemaligen Karpfenteich gepachtet. Tiefe 0,5 bis knapp 2m. Der Zulauf liegt im Sommer bei etwa 10l/min, der Teich ist vor der Sonneneinstrahlung kaum geschützt. Als Salmonidengewässer ist er also nicht geeignet.
Da ich den Teich erst seit 2 Jahren alleine bewirtschafte (vorher diente er der Karpfenzucht) und die Pachtverlängerung erst dieses Jahr gesichert werden konnte, befindet sich der Bestand noch im Aufbau.
Durch die Auflagen des Verpächters ist mir eine Bepflanzung der Ufer nicht gestattet. Der auf der flachen Seite inzwischen wieder vorhandene Schilfgürtel (bei Übernahme waren nur noch einzelne Rohrkolben vorhanden) ist inzwischen 2 bis 3 Meter breit, darf sich aber nicht stärker ausbreiten (O-Ton Verpächter).
Da vor einigen Jahren nach einer Gesetzesänderung die Fische plötzlich viel glitschiger geworden sind ;-), gelingt es mir kaum diese nach dem Fang festzuhalten. Die meisten gleiten daher wieder ins Wasser, nur der eine oder andere (so 5 Karpfen und 20 sonstige) wandern jährlich in den Kochtopf.
Der Bestand umfasst zur Zeit Karpfen (ca. 70 zwischen 2 und 5 Pfund), Schleien, Brassen (Ja ich habe Brassen besetzt.), Rotaugen, Rotfedern, Giebel und Barsch (Ja ich habe Barsche besetzt.) Besatzversuche mit Stichligen blieben leider ohne jeden Erfolg.
Daneben habe ich noch Teichmuscheln und Edelkrebse besetzt.
Bis auf Karpfen, Schleie und Stichling wurden von allen Arten weniger als 40 Stück besetzt (vor drei Jahren, im Vorgriff auf die Übernahme). Bei den Karpfen konnte ich noch keinen Nachwuchs beobachten, alle anderen Fische haben einen beachtlichen Bestand entwickelt. Die Muscheln sind inzwischen mit mehr als 1/qm vertreten. Der Krebsbestand hat sich leider nicht weiterentwickelt, die Karpfen setzen ihm zu stark zu. Ich werde daher nächstes Jahr mit Hohlziegeln an einigen Stellen künstliche Krebshöhlen schaffen, um die Jungkrebse und Butterkrebse zu schützen.

Geplante Besatzmaßnahmen:
Um den Schilfzuwachs zu bremsen (Auflage), werde ich einige Amurkarpfen setzen. Dies hat sich in diesem Teich betreits "bewährt", vor Jahren war er völlig verkrautet, er wird im Sommer schnell warm, und so haben die damals besetzten Amurs den Pflanzenbestand auf einige Rohrkolben reduziert.
Weiter werde ich nächstes Jahr vorsichtig mit dem Raubfischbesatz beginnen. Um den Brassenzuwachs zu bremsen, werde ich neben Zander auch Hecht besetzen.
Falls ich an geeignetes Besatzmaterial komme möchte ich noch Kleinfische wie Laube oder Moderlieschen besetzen.

Bestandsbewirtschaftung:
Es wird nicht (außer mit Lockfutter) gefüttert. Der Teich hat allerdings ein gutes Aufkommen an Naturnahrung.
Ab dem nächsten Jahr werde ich jeden gefangenen Barsch entnehmen, um ein Verbutten zu erschweren.
Sollte sich bei den Karpfen kein Nachwuchs einstellen, werde ich beginnen nach und nach Karpfen zu entnehmen und K2 nachzusetzen.
Weitere Eingriffe sind vorerst nicht geplant.

Ich bewirtschafte dieses Gewässer so, weil dies meinen "Idealvorstellungen" am nächsten kommt, weil ich es mir leisten kann, weil ich alleine darüber bestimmen kann. Ich bin stets bemüht, meine Vorstellungen anderen Anglern zu vermitteln, aber ich werde niemandem vorschreiben, wie er sein Gewässer zu bewirtschaften hat.

Just, zu deinen Thesen:

"Da muss sich aber zuerst im Kopf der meisten Angler etwas ändern, sie müssten nämlich von dem Gedanken Abstand nehmen, den Preis der Tages-, Monats- oder Jahreskarte in Fisch aufwiegen zu wollen - und das fällt einigen extrem schwer."

Ich habe kein Problem damit, wenn ein Verein sein Geld in Satzkarpfen oder Satzforellen für den Angelteich steckt, und diese dann während der Saison wieder herausgefangen werden. So kommen auch weniger begnadete Angler zum Erfolg, eine große Zahl Angler kann kleine Gewässer befischen, und den Teichwirten entsteht eine sichere Einnahmequelle. Gerade das Umsetzen von Teich zu Teich macht den Fischen am wenigsten zu schaffen, bei ausreichendem Nahrungsangebot wachsen sie in der Regel fast ungebremst weiter, was immer ein Zeichen für Wohlbefinden ist. Es werden fast keine untermaßigen Fische verangelt, die gerade bei weniger geübten Anglern vorkommenden Schluckbisse richten so weniger Schmerzen und Schaden an. Catch&Releas erfordert nicht nur den Verzicht auf Beute, es erfordet auch einen sehr disziplinierten Angler, der ausgeklügelte Methoden für sicheres Haken in der vorderen Maulpartie und einen schonenden Umgang mit dem gefangenen Fisch beherrscht. Die Realität zeigt, dass trotz der sehr aufwändigen Prüfungskurse für Angler in Deuschland diese Fähigkeiten nicht jedem zu vermitteln sind. Und auch in den Catch&Release Ländern wie Holland oder Großbritanien läuft hier genug schief, leidtragend sind immer die Fische.
Daher ist es mir lieber, wenn soche Angler am Angelteich sitzen, und ihre gefangenen Fische entnehmen. Und ich werde keinem das Recht auf die Fischerei absprechen, solange er sich keine groben Verstöße zuschulden kommen lässt. Fehler macht jeder von uns.

"Wer fischen geht, ist dadurch nicht zwangsläufig auch ein Fischer !"

Solche moralisch-überlegen-Gutmensch-Thesen solltest du mit mehr Vorsicht gebrauchen. Das überlasse ich unseren Gegnern von der "Tierschutz"-Fraktion. Ich verstehe schon wie es gemeint ist, du bist ja auch ein Fischer mit viel Augenmaß, aber bei solchen Sprüchen geh ich die Wand hoch, die Aussage kann man auch anders verpacken.

"Und nicht zum Schluss müsste auch die Gesetzgebung flexibler werden und die Vereine und den einzelnen Fischer zu mehr Eigenverantwortung verpflichten, wird ja nicht immer gern wahrgenommen."

Mir würde schon ausreichen, wenn der Gesetzgeber die Eigenverantwortung zulässt, statt unsinnige pauschale Auflagen für die Gewässerbewirtschaftung zu machen. Wenn ich mir die Regeln vieler Vereine ansehe, die weit über die gesetzlichen Auflagen hinausgehen, dann denke ich der Wille zur Eigenverantwortung ist durchaus gegeben.

"Die Verpflichtung, Einnahmen durch Fischkartenausgabe zwangsweise in Besatz "umzumünzen" "

Wo steht das?

"müsste wegfallen oder flexibler gestaltet werden, genauso wie die zwangsweise Entnahme gerade maßiger Fische."

Volle Zustimmung!

"Das Mindestmaß muss dahingehend umdefiniert werden, dass Fische bis zu einer bestimmten Größe im Gewässer verbleiben können (aber mindestens einmal im Leben ablaichen), ab einer gewissen Größe aber mitgenommen werden müssen (Überalterung) - beim Hecht beispielsweise 70cm, müsste beim einzelnen Gewässer durch den Bewirtschafter verantwortlich definiert werden."

Ich bin gegen gesetzlich vorgeschriebene Mindestmaße. Ich traue jedem Gewässerbewirtschafter zu, diese eigenverantwortlich festzulegen. Oft wäre es erforderlich auch kleinere Fische zu entnehmen und die mittlere Klasse zu schonen, etwa bei kleinwüchsigen Forellen- und Äschenbeständen, oder um betimmte schwache/starke Jahrgänge geziehlt zu führen.

Die These ein Fisch muss einmal im Leben ablaichen können ist völlig vermenschlicht, und hat mit der Realität in der Natur nichts zu tun. Für genau so wenig sinnvoll halte ich es, Fische ab einer bestimmten Größe verpflichtend zu entnehmen, um einer "Überalterung" vorzubeugen.

Um Fischbestände in Wildgewässern auf Dauer widerstandsfähig und gesund zu halten, sollte die natürliche Selektion zum Tragen kommen. Und das geschieht erst mit steigendem Alter der Fische, denn erst dann hat sich die Spreu vom Weizen getrennt.
Ein 70 cm Heichtmilchner mag im reifen Alter sein, eine 70 cm Hechtdame zählt auch in den oberfränkischen Flüßchen und Teichen eher zur Jugendklasse, auch wenn sie durch den Befischungsdruck recht selten sind.
Was ist an der nachlassenden Leichqualität bei Großfischen schlecht? Doch nur, dass in der Teichwirtschaft der Bruterfolg sinkt, und damit die Kosten steigen. Wer den Begriff "Ertrag" in Frage stellt, sollte auch prüfen, woher solche Aussagen kommen. In der freien Natur macht die Eizahl das mehr als wett, evtl. sind durch erhöhte Mutationswahrscheinlichkeit sogar positive Folgen für die genetische Diversifikation der Bestände zu erwarten, was der Inzucht vorbeugt.
Große Räuber wären das Mittel der Wahl, um die verbutteten Cyprinitenbestände in einer Unzahl unserer Gewässer zu pflegen.
Falls man schon mit Längenmaßen hantieren will, würde ich am ehesten für Entnahmefenster plädieren, aber diese sollten dann auch für jedes Gewässer von Bewirtschafter frei wählbar sein. Z.B. für den Hecht in einem Voralpensee 60 bis 80 cm. So hat jeder die Chance auf einen Fisch für die Pfanne, und es bleibt doch genug Nachwuchs und genug Großhechte, um die Futterfischbestände zu pflegen.

"Das Umdenken beginnt eigentlich schon bei der Wortwahl - wir sprechen vom Ertrag eines Gewässers. Das heisst nichts anderes, als das alles auf Wirtschaftlichkeit ausgerichtet ist und dass das nicht unbedingt förderlich für die Natur ist, sollte inzwischen auch der letzte Hinterbänkler begriffen haben."

Zustimmung, unter der Einschränkung, dass uns allen bewußt werden muss: Der Begriff Natur ist sehr relativ und definitonsabhängig.

Meine Einwände gegen Besatzmaßnahmen beschränken sich eigentlich auf zwei Hauptpunkte:

1) Dort wo gesicherte natürliche Bestände verfälscht oder in gefährtet werden. (z.B. Aal im Forellenbach, Brown-Trout und Kreuzungen zu heimischen Bachforellen, Karpfenbesatz in Wildkarpfengewässern (wobei die ja auch nicht natürlichen Ursprungs sind) usw.
Dabei sehe ich die ach so schlimme "genetische Verfälschung" etwa bei isolierten Bachforellenbständen eher unkritisch. Nur weil der Mensch seit Jahrhundeten die Gewässer verbaut, und damit natürlichen Austausch zwischen den Beständen unterbindet, muss ein genetisch kleinwüchsiger und hüpsch bunter Bachforellenzweig noch lange kein ökologischer Schatz sein. Das ist sehr vom Geschmack des Betrachters abhängig. Hier sollte auch das Interesse des Bewirtschafters nach genetischer Vielfalt, Wüchsigkeit usw. nicht zwangsweise verworfen werden.

2) Wenn die Satzfische in eine für sie lebensfeindliche Welt gesetzt werden.
Z.B. der oben angesprochene Teichkarpfen in das Fließgewässer oder die Forelle in den sommerwarmen Karpfenteich.
Den Besatz von Fließgewässern mit fangfähigen Forellen kann man auch von verschiedenen Seiten betrachten. Die Darstellung, diese Fische würden elend verhungern halte ich für falsch. Ich habe noch keine verhungerte Satzforelle gefunden, trotz mehrerer hundert Tage an Forellenbächen. Der Großteil dieser Satzfisch ist nach wenigen Wochen wieder herausgefangen. Der Rest lebt sich ein, oder wandert so weit ab, bis er ausreichend ruhige teichähnliche Gewässer gefunden hat (Staustufen). Das Problem sind für mich eher die nach jedem "Anangeln" im Mai in den Bächen zu findenten verangelten Fische. Am schlimmsten bei solchen Catch&Releasern, die im Gruppenzang auch die tiefschluckende futtergierige Teichforelle zurücksetzen müssen...
Noch schlimmer ist ein Besatz mit untermaßigen (1-jährigen) Teichforellen. Da sind die Todesopfer durch Verangeln vorprogrammiert. Wer sowas fordert, sollte sich die Fressgier dieser Teichfische nochmal durch den Kopf gehen lasse. Wenn schon untermaßig besetzen, dann entweder Eier oder Brut, oder wie früher oft gemacht durch in kleinen Bächen vorgestreckte Fische, die mit Elektrogerät entnommen wurden. Diese Bewirtschaftungsform ist aber heute nicht mehr opportun.
Ob Regenbogenforellen wirklich die Bachforellen verdrängen wage ich zu bezweifeln. Die These stammt denke ich aus Zeiten, wo die Vereine ausschließlich mit den billigen Regenbogenforellen besetzt haben, und damit natürlich eine Bestandsverschiebung eingetreten ist. Da Regenbogenforellen eher im Freiwasser fressen und lange Insektenjäge bleiben, Bachforellen dagegen früh zu spezialisierten Räubern werden halte ich die These für angreifbar. In der Rodach und Kronach, den mir vertrauten Gewässern, wurden bei den Bestandsaufnahmem für den Oberfränkischen Fischereibericht (per Elektrogerät) Bach- und Regenbogenforellen aller Größenklassen in guten Beständen ermittelt. So konnten Bachforellen mit über 60 cm und Regenbogenforellen mit bis zu 90cm ermittelt werden. Beide gut genährt. Dieses Ergebnis hat selbst längjährige Kenner der Gewässer in Staunen versetzt. Seien wir ehrlich: Gerade in Fießgewässern haben wir oft keine Ahnung vom tatsächlichen Bestand. Wir glauben nur aus unseren Fangergebnissen extrapolieren zu können.

Grüße,

mzg

[ 23. November 2002: Beitrag editiert von: mzg ]

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Beitrag von Thomas Kalweit » 25 Nov 2002 11:34

[img]images/smiles/icon_smile.gif[/img] Hallo mzg, hallo Just, hallo Hobbyangler,

hier sind viele sehr interessante Gesichtspunkte zur Sprache gekommen!!! Ich glaube, Besatz ist auch ein Thema, über das mal diskutiert werden sollte!

Ich bewirtschafte seit ca. 10 Jahren zwei größere, ehemalige Braunkohlegruben (zusammen ca. 150 ha, bis 40m tief). Meine Erfahrung ist, daß die meisten Besatzfische "in den unendlichen Tiefen" verschwinden und niemals wieder gesehen werden. Die einzigen Ausnahmen sind Forellen und Satzkarpfen - die werden innerhalb weniger Wochen wieder rausgefangen.

Z.B.: Seit Jahrzehnten besetzen wir in jedes Gewässer ca. 200kg Schleien (15-25cm) pro Jahr - es werden aber nur jährlich 20-30kg herausgefangen. Wo bleiben die Fische?

In den letzten Jahren haben wir uns umorientiert: Wir besetzen nur noch ein- bis zweisömmrige Setzlinge (gewöhnen sich besser ein, viel höhere Stückzahl), natürlich gegen enorme Widerstände der Angler und stecken viel mehr Geld und Energie in Hegemaßnahmen.

In diesem Jahr haben wir z.B. 40 Tannenbäume als Zanderlaichnester versenkt, für 500 Euro Teichrosen gepflanzt, und einen kleineren "Wald" gefällt, so daß die Bäume als Totholz im Flachwasser liegen.
Mit dem Ergebnis: Wir hatten noch nie soviel Brut, wie in diesem Jahr. Um das mit Besatz zu erreichen, hätte man Tonnen einsetzen müssen.

Gruß,

Thomas
Online-Redaktion FISCH & FANG / DER RAUBFISCH
E-Mail: thomas.kalweit@paulparey.de

Just
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Richtiger Fischbesatz

Beitrag von Just » 25 Nov 2002 18:01

<BLOCKQUOTE><font size="1" face="Verdana, Arial">Zitat:</font><HR>"Die Verpflichtung, Einnahmen durch Fischkartenausgabe zwangsweise in Besatz "umzumünzen" "

Wo steht das?<HR></BLOCKQUOTE>

Hi mzg,

unser Verein bewirtschaftet einen Teil der unterfränkischen Baunach, die fliesst ja nur ein paar Kilometer von der oberfränkischen Rodach und Kronach entfernt. Die von uns bewirtschafteten Gewässerabschnitte sind Staatsgewässer und wir sind verpflichtet, eine bestimmte Besatzmenge pro Jahr einzubringen, egal, wie das Gewässer sich darstellt.
Auch vom oberbayerischen Walchensee weiss ich, dass dort ein Teil der Einnahmen, die durch die Fischkartenausgabe erzielt werden, wieder in Besatz investiert werden müssen.
Obwohl dort der Saiblingsbestand riesig und m.E. total verbuttet ist, werden jedes Jahr wieder Saiblinge besetzt.
Der See gehört meines Wissens auch dem Staat, die Fischrechte sind unter den verbliebenen zwei Berufsfischern aufgeteilt und das Wasserrecht gehört dem Bayernwerk.
Ob das Geld für den Besatz jetzt aus der Fischkartenausgabe resultieren muss, ist eigentlich zweitrangig, wichtig ist der bestehende Zwang.
Den Rest lasse ich mal unkommentiert stehen, vielleicht kommt ja mal wieder 'ne schöne Diskussion in Gang, an der sich nicht nur 2-3 Leute beteiligen [img]images/smiles/icon_wink.gif[/img]
Serwutz von Ufr. um die Ecke nach Ofr. [img]images/smiles/icon_razz.gif[/img]

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Richtiger Fischbesatz

Beitrag von mikesch » 25 Nov 2002 19:43

Auszug aus der AVFiG für Bayern.

§ 19 Besatzmaßnahmen

(1) 1Fische dürfen nur ausgesetzt werden, wenn dadurch das Hegeziel (Art. 1 Abs. 2 Satz 2 FiG), vor allem der Artenreichtum und die Gesundheit des Fischbestandes, nicht beeinträchtigt wird. 2Satzfische sollen aus Betrieben stammen, die laufend vom Fischgesundheitsdienst oder anderweitig tierärztlich betreut werden; für einen Besatz mit Aalen sollen Glasaale verwendet werden. 3Ein Besatz mit Ausnahme von Regenbogenforelle, Bachsaibling, Schleie, Karpfen und Aal muß aus Beständen oder Nachzuchten erfolgen, die dem zu besetzenden Gewässer ökologisch möglichst nahe zugeordnet werden können.

(2) 1Fische der folgenden Arten dürfen nach Maßgabe des Absatzes 1 und, vorbehaltlich des Bescheides der Kreisverwaltungsbehörde über die Ausstellung von Erlaubnisscheinen (Art. 35 Abs. 1 Satz1 FiG), ohne behördliche Erlaubnis ausgesetzt werden:

(Achtung hoch prüfungsrelevant)

1. Forellenarten, mit Ausnahme der Meerforelle ,
2. Saiblingsarten,
3. Huchen,
4. Coregonenarten, (Renken)
5. Äsche,
6. Schleie,
7. Karpfen,
8. Aal in den Flussgebieten des Main und Elbe mit Ausnahme der Seen,
9. Hecht,
10. Zander,
11. Edelkrebs,

in geschlossenen Gewässern im Sinn von Art. 2 Abs. 1 Nr.3 FiG auch Weißfische der anderen in § 9 Abs. 3 Satz 1 Nr. 7 genannten Arten. 2Abweichend von Satz 1 dürfen, auch nach ihrem Fang im betreffenden Gewässer, nicht ausgesetzt werden:

1. Aal und Hecht in Fließgewässern der Forellen- und Äschenregion sowie in Seen, in denen hauptsächlich Seeforellen und Seesaiblinge vorkommen; Aal darüber hinaus nicht in Gewässer mit einem sich selbst erhaltenden Edelkrebsbestand,

2. Regenbogenforellen in Seeforellenseen und gleichgestellten Seen (§ 9 Abs. 3 Satz 3)

3. Bachsaibling in Fließgewässern mit einem sich selbst erhaltenden Bestand an Bachforellen oder Äschen.

(3) 1Soweit Fische der in § 9 Abs. 3 Satz 1 genannten Arten nicht nach Absatz 2 Satz 1 erlaubnisfrei ausgesetzt werden dürfen, ist das Aussetzen nur mit Erlaubnis der Kreisverwaltungsbehörde zulässig; nach Absatz 2 Satz 2 unzulässige Besatzmaßnahmen können nicht gestattet werden. 2Die Erlaubnis darf nurfür bestimmte Fischarten und Gewässer oder Gewässerstrecken erteilt werden; die Gewässer müssen, abgesehen vom Besatz mit Aal, im natürlichen Verbreitungsgebiet der Fischart liegen. 3Die Erlaubnis ist nicht erforderlich,

1. wenn sie im Fall eines Fischnotstandes (§ 9 Abs. 6 Satz 2) nicht rechtzeitig eingeholt werden kann,

2. für das nach § 9 Abs. 9 Satz 1 zulässige Zurücksetzen gefangener Fische.

(4) 1Der Fischereiausübungsberechtigte (§16 Abs. 1 Satz 3) hat Aufzeichnungen über die durchgeführten Besatzmaßnahmen zu führen aus denen Ort und Zeit der Maßnahme sowie Art, Alter, Menge und Herkunft der eingesetzten Fische zu entnehmen sind. 2Die Aufzeichnungen sind mindestens drei Jahre lang aufzubewahren und der Kreisverwaltungsbehörde auf Verlangen vorzulegen.

(5) 1Verboten ist das Aussetzen von Fischen, die

1. nicht zu den in § 9 Abs. 3 Satz 1 (alle in Tabelle §9) genannten Arten gehören,

2. künstlich genetisch verändert worden sind, insbesondere durch Kreuzen verschiedener Arten, Vervielfachen des Chromosomensatzes, Festlegung auf ein Geschlecht oder gentechnische Arbeiten, soweit nicht eine Genehmigung zur Freisetzung nach dem Gentechnikgesetz vorliegt, dies gilt auch für die Nachkommen genetisch veränderter Fische. 2Zur Vermeidung nicht beabsichtigter Härten oder aus überwiegenden Gründen des Gemeinwohls kann die Kreisverwaltungsbehörde Ausnahmen zulassen, soweit nicht eine Genehmigung nach dem Gentechnikgesetz erforderlich ist.

(6) Bei erheblicher Gefährdung des Hegeziels (Art. 1 Abs. 2 Satz 2 FiG) können die Bezirke durch Verordnung oder die Kreisverwaltungsbehörden durch befristete Anordnung das Aussetzen bestimmter Fischarten weitergehend beschränken oder verbieten.

(7) Für das Aussetzen von Fischen in geschlossenen Gewässer im Sinn von Art. 2 Abs. 1 Nrn. 1 und 2 FiG, deren Absperrung ein Überwechseln von Fischen in andere Gewässer soweit wie möglich ausschliesst, gelten von den vorstehenden Bestimmungen nur

1. Absatz 1 Satz 2,

2. Absatz 4, wenn das geschlossene Gewässer regelmäßig mit der Handangel befischt wird.

2Das Aussetzen von Zehnfusskrebsen der in § 9 Abs. 3 Satz1 nicht genannten Arten ist vorbehaltlich des Absatzes 5 Satz 2 in Gewässern jeder Art verboten.

Das heißt, dass ich in jedes Gewässer z.B. Bachforellen aussetzen darf.
Für angestammte Fließwasserbewohner, z.B. Barbe oder Nase eine Sondergenehmigung brauche.
Fishing isn't sport, it's a passion
Gruß
Michael

mzg
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Richtiger Fischbesatz

Beitrag von mzg » 25 Nov 2002 23:21

Hallo Thomas,

herzlichen Glückwunsch! Sowas würde mir auch zusagen.
Ich darf leider keine Bäume versenken, oder auch nur Seerosen pflanzen... sonst hätte ich das längst gemacht.
Es geht nichts über günstige Laichbedingungen.

Zu den Schleien: Teueres Hechtfutter? Angeblich gibt es ja die schwersten Schleien in Gewässern mit sehr gutem Hechtbestand. Da greift das Auslesekriterium schnell wachsen oder gefressen werden.

Ein bekannter von mir bewirtschaftet einen Baggersee von ca. 15ha. Die besetzten Zander und Schleien sind ebenfalls spurlos verschwunden...

@Just:
Gebe dir voll und ganz recht. Solche Regelungen müssen weg.

@ all:
Gebt doch auch eueren Senf dazu! Es ist recht einsam hier.

Grüße, mzg

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