Staustufen sind Methan-Schleudern

Was geschieht gerade wo, wie und warum?

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Hartmut
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Staustufen sind Methan-Schleudern

Beitrag von Hartmut » 23 Jul 2013 10:07

Hallo zusammen,

anbei eine Info über unsere segensreiche Wasserkraftnutzung.

Die unterschätzte Methanquelle

In der Ökobilanz bekommt der "grüne Strom" die rote Karte.

Petri

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Fishermanslure
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Re: Staustufen sind Methan-Schleudern

Beitrag von Fishermanslure » 24 Jul 2013 15:57

Danke für die interessante Info Hartmut, aber eine Regierung die ohnehin keinen Plan für die Energiewende hat, sondern allenfalls einen dagegen, wird sich durch solche Nebeneffekte auch nicht beeindrucken lassen.
Grüßle
Rainer
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Re: Staustufen sind Methan-Schleudern

Beitrag von e$$oxX » 24 Jul 2013 17:14

Servus,

Jetzt kann ich's mir einfach nicht verkneifen: Wie sieht denn eurer Meinung nach eine gute Energiepolitik aus? Was ist der richtige Weg?

Ich bestreite nicht, dass man an Wasserkraft und Co. viel kritisieren kann und muss, und dass es da viele Punkte gibt, wo man die Technik verbessern kann - aber bei jedem Detail gleich die Politik kritisieren?

Ich versuche mir immer erst eine eigene Meinung zu bilden. In diesem Fall: Bedeutet die Tatsache (sofern es denn eine ist) dass Methan an Staustufen vermehrt freigesetzt wird, automatisch, dass das Methan ohne die Staustufen garnicht entstanden wäre? Könnte es nicht sein, dass das Methan als (anaerobes) Abbauprodukt organischer Materie an einem ungestauten Fluß einfach gleichmäßig über die gesamte Flußlänge abgegeben werden würde oder eben erst nach der Mündung ins Meer? Entsteht in einem "freien" Fluß automatisch weniger Methan? Wo soll der Kohlenstoff denn hin?

Bei den Wasserkraftwerken hierzulande bezweifle ich, dass die Methanfreisetzung (absichtlich abgegrenzt von Produktion) eine signifikante Verschlechterung der Klimabilanz verursacht - und schon garnicht dass es so schlimm ist, der Sache gleich eine "rote Karte" zu verpassen.
Anders sieht es da bei Wasserkraftwerken in den Tropen aus: hier macht man sich nicht die Mühe, die Wälder etc. zu roden und das organische Material abzutransportieren, bevor das Areal geflutet wird. Unter Wasser verfaulen dann die Pflanzen, wobei wirklich große Mengen Methan gebildet werden - die eben nicht entstanden wären, wenn man das ganze Pflanzenmaterial nicht unter Wasser gesetzt hätte.

Jetzt würde es mich wirklich interessieren, was eurer Meinung nach der richtige Weg ist, weil ja Wasserkraft und Biogas per se hier gerne verteufelt werden. Ich betone nochmal - auch ich bin gegen unüberwindbare Hindernisse für die Unterwasserfauna ( :arrow: Fischtreppen und neuartige Turbinen müssen her) und ein (unfallbedingtes) Einleiten von Gärsubstrat etc. von Biogasanlagen muss natürlich auch effektiv vermieden werden - aber deswegen bin ich nicht gegen diese Energiequellen an sich.

Gruß,
Simon
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Re: Staustufen sind Methan-Schleudern

Beitrag von Hartmut » 24 Jul 2013 18:19

Nun, werden alle positiven und negativen Argumente für- und wider die Wasserkraft auf die Waage gestellt, bleibt nach meiner Ansicht für die Wasserkraft kein sinnvoller Nutzen übrig.

Unsere dringend notwendigen, CO² freien, oder neutralen, Energieproduzenten für die Zukunft gewinnen wir nicht aus der Wasserkraft, dafür ist deren Anteil am Gesamtenergieaufkommen viel zu gering. Bereits durch einen effizienten Energieeinsatz können wir mehr Energie einsparen, als die gesamte Wasserkraft in der BRD, anteilig am Gesamtenergieverbrauch, leistet.
Einmal zerstörte Natur, ausgerottete Spezies, sind für immer, unwiederbringlich, verloren. Technik können wir weiterentwickeln und mit neuen Werkstoffen, leistungsfähigen Energiespeichern und sparsamen Verbrauchern, insgesamt mit einem verantwortungsbewussten Umgang unserer verfügbaren Energie, irreversible Umweltschäden vermeiden.
- Während der letzten Weltkriege fand ein regelrechter Ingenieurswettlauf statt um sich mit immer besseren Waffen gegenseitig den Schädel einzuschlagen, dafür ist die Menschheit bestens ausgestattet! -

Denselben innovativen Ingenieurswettbewerb brauchen wir dringend um neue, CO² neutrale Energieproduzenten zu entwickeln und zu bauen. Auch über politische Grenzen hinweg. Dies ist der Lösungsweg mit Hirn!

Das Argument über die langjährige, angeblich ausgereifte, Wasserkraftnutzung ist auch ein Argument, allerdings für die Lösung mit dem geringsten Hirnanteil.

Zurzeit wird mit großen Anstrengungen versucht jedes noch so kleine Rinnsal energetisch zu nutzten. Unsere Regierung stellt dafür sogar noch Fördergelder bereit. Diese Fördergelder wären m.E. an unseren Bildungs- und Forschungseinrichtungen besser investiert, als mit zerstörerischen Eingriffen in unsere letzten natürlichen Wasserläufe.

Petri

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Re: Staustufen sind Methan-Schleudern

Beitrag von e$$oxX » 24 Jul 2013 19:48

Da hast du natürlich Recht. Ich sehe das genauso, dass man mit der Verbauung unserer wunderschönen und wertvollen Natur keine dauerhaften/ nachhaltigen Lösungen erzielen kann. Neue Technologien müssen her - aber welche Ressourcen sollen die nutzen? Das ist eine große Frage. Ich denke nur mit Wind- und Solarenergie wird es nicht möglich sein, den Energiebedarf mit all seinen Facetten (Grundlast, Spitzenlast, regionale Unterschiede...) abzudecken. Die Wasserkraft ist zwar an und für sich attraktiv, weil sehr konstant, aber wie du schon gesagt hast, lässt sich damit hierzulande kein nennenswerter Beitrag leisten. Deutschland ist einfach kein "Wasserkraftland".
Letztendlich sehe ich zu Biomasse/nachwachsenden Rohstoffen im weiten Sinn keine Alternative - hieraus lässt sich qualitativ quasi alles ersetzen, was wir momentan aus fossilen Rohstoffen gewinnen. Nicht nur elektrische Energie kann man damit erzeugen, sondern auch Chemikalien, Kunststoffe, Treibstoffe und und und. Zudem sind in den kommenden Jahren technologische Fortschritte zu erwarten, die gute Lösungen für die "Teller oder Tank" Problematik liefern können. Und genau das ist das, worauf du letztendlich abzielst, denke ich mal: technologischer Fortschritt. Im Falle der Nachwachsenden Rohstoffe: Biotechnologischer Fortschritt.

Die Verantwortung jedes einzelnen ist auch nicht wegzudiskutieren. Wir haben die Möglichkeiten, Energie effizienter zu nutzen, wir müssen sie nur anwenden. Warum muss ich mit 200 über die Autobahn heizen? Mit 120 komme ich auch ans Ziel. Aber dieser Wandel muss sich in den Köpfen durchsetzen, und das ist ein langsamer Prozess.

Bis dahin bleibt uns quasi nichts anderes übrig, als das zu nutzen, was wir aktuell zur Verfügung haben - auch wenn dieser Schuh drückt. Fragt sich nur, was die Politik anders machen kann, um den Wandel zu beschleunigen?

Die Frage stelle ich mir in letzter Zeit sehr häufig - es sind ja auch bald Wahlen...

Gruß und Petri!

Simon
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Re: Staustufen sind Methan-Schleudern

Beitrag von lelox » 24 Jul 2013 21:25

Bei der Wasserkraft stehen keine Schlote in der Landschaft und es rollen keine Castorbehälter durch's Land, also muss sie einfach tauglich für grüne Träume sein. Naturschutz hört wieder mal an der Wasseroberfläche auf.

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Re: Staustufen sind Methan-Schleudern

Beitrag von Fishermanslure » 25 Jul 2013 17:05

Das Problem unserer derzeitigen Regierung ist halt mal, dass sie gar kein Konzept für eine Energiewende hat, diese aber ständig lautstark proklamiert. Deren Programm war, falls sich noch jemand dran erinnert, die Laufzeitverlängerung für AKW's, nur ist denen da leider Fukushima dazwischen gekommen und so war man gezwungen zumindest so zu tun, als würde man eine Energiewende vollziehen.

In Wirklichkeit werden aber alle Technologien, die zu der unsäglichen Möglichkeit führen würden, dass sich die Bürger direkt an der Energiegewinnung beteiligen könnten, systematisch abgewürgt und es vergeht auch kein Tag, an de uns Bürger nicht nochmals erklärt wird, wie teuer das ist und dass man das reduzieren muss usw. Unser aller Umweltminister hat sich kürzlich gerühmt, dass seine Kürzungen in der Solarbranche endlich deutlich Wirkung zeigen und sich der Zubau halbiert habe. Da frage ich mich, worum geht es dem Umweltminister? Wohl eher nicht um die Umwelt, denn dazu müsste er nur einmal Fachstudien lesen, die ganz klar und einfach belegen, dass eine Energiewende zu komplett erneuerbaren Energien auf die kommenden 50 Jahre gesehen uns etwa 7x billiger kommt, als so mit fossilen Brennstoffen weiter zu machen.

Da werden mal schnell die gesamten Folgekosten unseres CO² Ausstosses ausgeblendet, wie alle anderen Umweltfolgen aus dieser Art der Energieerzeugung, sowie alle staatlichen Subventionen für diese Energiegewinnung und dann stehen die Erneuerbaren im Vergleich plötzlich sooo schlecht da.

Im Gegenzug lässt man die Preise für Co²-Zertifikate ins uferlose sinken, so dass die deutsche Energiewirtschaft inzwischen wieder massiv auf die derzeit auch noch extrem billige Kohle aus "Down under" setzt, da damit nun am meisten zu verdienen ist. Dabei bräuchten wir, um weiter auf erneuerbare Umzustellen eigentlich immer mehr kurzfristig reagierende Gaskraftwerke, um die möglichen Versorgungslücken zu stopfen. Dass die Energiewirtschaft das aber nicht freiwillig macht ist doch klar, das sollte sich dann auch lohnen, aber dafür hat diese Regierung keine Lösung.

Allerdings haben die schwarz-gelben inzwischen wenigstens erreicht, dass keiner der großen Energiekonzerne derzeit noch mit einer Klage wegen dem Rücktritt von der Atomkraftlaufzeitverlängerung droht, schließlich haben die ja inzwischen alleine in der Solarbranche mit ihren drastischen Einschnitten (über 50 % Vergütungsreduktion innerhalb eines JAhres) es geschafft, massenhaft Insolvenzen in dieser Branche zu vernichten und 50-60 Tausend Arbeitsplätze zu vernichten. Das in einer Branche, in der wir noch vor 2 Jahren weltweit führend waren.

Deshalb also meine nicht besonders gute Meinung zu unserer Energiepolitik. Da bei uns im September wahrscheinlich mehr Personen als Programme gewählt werden, wird sich vermutlich nichts an den Mehrheiten ändern, die energieversorger werden sich freuen...
Grüßle
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Re: Staustufen sind Methan-Schleudern

Beitrag von Hartmut » 25 Jul 2013 23:00

@ Fishermanslure ,

zu Deinem sehr guten Post passt ein Beitrag auf der HP von Greenpeace

Tod durch den Schlot

Darin werden auch die politischen Verflechtungen über und mit unserer Kapital starken, ursprünglichen Energieproduktion dargestellt.

Petri

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Re: Staustufen sind Methan-Schleudern

Beitrag von ct » 26 Jul 2013 06:15

Sehr interessant.
Allerdings frage ich mich, ob ein Fluss ohne die Wehre nicht annähernd gleich so viel Methan erzeugen würde. Dann natürlich durch einzeln aufsteigende Methangasbläßchen verteilt, anstatt komprimiert hinter den Wehren.
Das Methan fördernde Futter für die Bakterien dürfte bis auf die durch die Rechen und Turbinen zerhackten Fische ja nicht mehr sein als ohne die Staustufen.
Ein Leben ohne Angeln ist möglich, aber nicht sinnvoll:-)

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